Über das Projekt

 

Auf Initiative von Marisa Minder wurde im Oktober 2017 das Projekt „Concertino Hans Haug“ initiiert. Gestärkt durch zahlreiche Gespräche mit Weggefährten (wie z.B. dem emeritierten Professor Alexander van Wijnkoop) wurde nach geeigneten Partnern gesucht. Das Projekt beinhaltet vier Konzerte in den Kantonen Aargau, Basellandschaft, Basel-Stadt und Wallis sowie eine CD-Produktion. Finaler Abschluss ist die Ersteinspielung des „Concertino per chitarra e piccola orchestra“ von Hans Haug (1900 – 1967), welche gleichzeitig die Debüt-CD von Marisa Minder ist.

 

Mit den beiden Werken „Concertino per chitarra e piccola orchestra“ (1951) und dem unvollendeten Bläserquintett von Hans Haug, möchte Marisa Minder mit ihrem Projektorchester aussergewöhnliche Konzertabende gestalten und bisher unbekannte Kompositionen der Öffentlichkeit präsentieren. Die Komposition „Quintet for Guitar and String Quartet, Op.143“ (1950) von Mario Castelnuovo-Tedesco (1895-1968) sowie weitere kammermusikalische Beiträge runden einen besonderen kammermusikalischen Konzertabend und eine hervorragende CD ab.

© Fotograf unbekannt / alle Rechte vorbehalten / BCU Lausanne - Fonds Hans Haug
© Fotograf unbekannt / alle Rechte vorbehalten / BCU Lausanne - Fonds Hans Haug

Über Hans Haug und das "Concertino per chitarra e piccola orchestra"

 

Auf der Suche nach interessanter Literatur für Gitarre, regte Andres Segovia an, einen Kompositionswettbewerb am Konservatorium in Chigiana (Siena, Italien) auszuschreiben. Bis Ende des Jahres 1950 konnten Komponisten Werke für Gitarre solo, für ein Gitarrenquintett und für ein Gitarrenkonzert einreichen. Der Schweizer Komponist und Dirigent Hans Haug erhielt den ersten Preis für sein Concertino per chitarra e piccola orchestra zugesprochen. Kein Preis wurde für das Gitarrenquintett vergeben und in der Kategorie Sologitarre erhielt Alexandre Tansman für seine Komposition Cavatina den ersten Preis. Den Siegern wurde versprochen, dass ihre Werke von Segovia uraufgeführt und verlegt würden.

 

Während Segovia einen Teil des Werkes von Tansman in Konzerten aufführte, löste er sein Versprechen gegenüber Haug nie ein. Die Partitur wurde erst nach Haugs Tod, im Jahr 1970 publiziert. Eine einzige Aufführung des Werkes ist bis heute bekannt und zwar mit dem Gitarristen Lagoya und dem Orchestre de Chambre de Lausanne. Bis heute konnte keine Aufnahme dieser interessanten, preisgekrönten Komposition ausfindig gemacht werden. Das Werk wird zwar an verschiedenen Orten erwähnt, wurde jedoch bis heute offenbar kaum aufgeführt und ist daher de facto nicht rezipiert.

 

Die Auszeichnung von Siena stärkte das Interesse Haugs an der Gitarre und er suchte die Zusammenarbeit mit weiteren Gitarristen. Er begann regelmässig Gitarrenunterricht beim bekannten Gitarristen José de Azpiazu in Zürich zu nehmen, schrieb weitere kammermusikalische Werke und Werke für Sologitarre. Mit Segovia, der später einen Teil von Haugs Solowerken einspielte, blieb er freundschaftlich in Kontakt.

 

Aufgewachsen ist Hans Haug in Basel, wo er später auch als Chordirigent und Kapellmeister am Stadttheater tätig war. Er leitete namhafte Orchester in allen Landesteilen. Bis zu seinem Tod war er im Schweizer Musikleben sehr präsent, geschätzt und über die Landesgrenzen hinaus anerkannt, wie wohl wenige Komponisten seiner Zeit.